Die Combonis gehören zu Ellwangen und umgekehrt

Eigentlich wäre es ein richtig großes Fest geworden mit Theater, Musik und geselligem Beisammensein. Die Comboni-Missionare gibt es seit 100 Jahren in Deutschland. Genauer: Am 2. Februar 1921 wurde die erste Hausgemeinschaft im Ellwanger Josefstal gegründet. „Rottenburg war die einzige Diözese, die uns damals die Tore aufgemacht hat“, sagt Pater Reinhold Baumann. Seither gehören die Combonis zu Ellwangen und Ellwangen zu den Combonis.

Die eigentliche Gründung der Gemeinschaft ist allerdings noch älter. Der Italiener Daniel Comboni war es, der 1867 ein Institut mit dem Ziel der Missionsarbeit in Afrika gegründet hatte. „Als Comboni im Jahr 1881 im Sudan starb, hatte er eine sehr kleine Gruppe von nur 18 Missionaren um sich. Heute arbeiten mehr als 1500 Missionare in über 40 Ländern der Welt daran, seinen Traum von Gerechtigkeit und vom Kampf gegen Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit zu verwirklichen“, erzählt Pater Hubert Grabmann, Provinzial der deutschsprachigen Provinz der Comboni-Missionare.

Als Comboni sein Institut in Verona gründete, stammten viele Missionare aus Deutschland und dem ehemaligen Österreich. Allein – die besonderen Umstände des Ersten Weltkrieges führten letztlich dazu, dass die Kongregation in eine deutsch- und italienischsprachige Gruppe geteilt wurde. Für Deutschland war es Pater Isidor Stang, der auf der Suche nach einem geeigneten Standort für die deutschen Missionare im Ellwanger Josefstal fündig wurde. „Dank seines Eifers und seines gesunden Humors gelang es Pater Stang, das Haus im Josefstal zu beleben und junge Burschen als angehende Priester- und Brudermissionare zu werben“, berichtet Pater Baumann. Zum Hintergrund: Eine Freundschaft verband Pater Stang und den damaligen Rottenburger Weihbischof Sproll. Vielleicht auch deshalb gelang die Niederlassung in Ellwangen.

Die Combonis wirken seit jeher in Ländern Afrikas, später auch in Südamerika, um dort „den Armen eine frohe Botschaft zu bringen, den Blinden das Augenlicht zu schenken und die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen“ (Lk 4, 18-19). Dass die Stadt Ellwangen als „Nabel“ dieser großen Mission ausgewählt wurde, empfindet Pater Grabmann als Vorteil. „Es ist gut in einem kleineren Ort zu sein, dadurch kann man lokalen Bezug und persönliche Kontakte besser herstellen. Auch Pater Baumann empfindet die Vertrautheit mit Ellwangen als sehr schön, auch wenn er nach 16 Jahren Leben im Busch der Mission Santa Maria de los Cayapas in Ecuador, eigentlich am liebsten dortgeblieben wäre und weiterhin im tropischen Regenwald auf einem Boot seine Gemeindemitglieder besucht hätte.

Ein weiteres großes Kapitel der Comboni-Missionare war die Wiedervereinigung der nach dem Ersten Weltkrieg getrennten Kongregationen. Auch dieser bedeutende Meilenstein wurde in Ellwangen begangen. „Bei den Anna-Schwestern“, blickt Pater Grabmann zurück. Die Internationalisierung der europäischen Gemeinschaften ist in der gegenwärtigen Zeit ein vorrangiges Ziel. Die Comboni-Missionare wollen Brücke zur Weltkirche sein.

Mittlerweile lebt Pater Reinhold Baumann zusammen mit 11 weiteren Mitbrüdern im Comboni-Haus in der Rotenbacher Straße, während P. Hubert Grabmann vor einem Jahr in das Provinzialat nach Nürnberg übersiedelt ist. Weil es im Ellwanger Haus die Infrastruktur für eine intensive Pflege gibt, verbringen auch alte und pflegebedürftige Combonis dort ihren Lebensabend.

Vorort sind die Combonis mit ihrem Auftrag an der Pastoral mitzuarbeiten, tätig. Jugend- und Erwachsenenbildung und die Bildungsarbeit für die Eine Welt gehören dazu. „Wir hoffen, dass wir dieses bedeutende Jubiläum, wie geplant, am Herz-Jesu Fest (11.-13. Juni) feiern können “, resümieren Pater Grabmann und Pater Baumann. Denn: Das Bewusstsein der Ellwanger und der Region haben die Combonis durch die Zeit geprägt.

01.02.2021/Sibylle Schwenk/Dekanat Ostalb

Foto (Schwenk): Pater Hubert Grabmann (links) und Pater Reinhold Baumann

Zweite Leseebene:

Pater Hubert Grabmann stammt aus der Oberpfalz und trat 1991 bei den Combonis ein. Im Jahr 2000 wurde er in Eichstätt zum Priester geweiht. Fünf Jahre wirkte er unter anderem auch als Dekanatsjugendseelsorger in Nürnberg, bevor es ihn für 12 Jahre nach Kenia zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Deutschland zurück. Seit 1. Januar 2020 ist er Provinzoberer in Nürnberg.

Pater Reinhold Baumann hätte Bauer in der elterlichen Landwirtschaft werden können oder Pfarrer. Er entschied sich für letzteres. Im Ellwanger Josefinum war er Schüler. Es zog ihn in die weite Welt. In Spanien lernte er die Sprache, bevor er 1975 nach Ecuador in die Mission ging. 1991 kehrte er nach Deutschland zurück und ist als Pensionär im Dekanat Ostalb als Pfarrer unterwegs.

Info:

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „kontinente“ – dem Magazin der Comboni-Missionare, ist ein großer Beitrag über das 100-jährige Jubiläum erschienen. In einer sechsteiligen Reihe wird die Geschichte der Gemeinschaft von Pater Reinhold Baumann beleuchtet.