Das Schweigen brechen – Vortrag am 07.11.2019 um 19.00 Uhr im Franziskus-Gymnasium Mutlangen

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurde die Katholische Kirche immer wieder von Missbrauchsfällen erschüttert. Eine Reaktion darauf war die Gründung des „Centre for Child Protection“ (CCP) an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Das Zentrum hat eine führende Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern im kirchlichen Dienst. Dr. Katharina Fuchs ist Mitarbeiterin am Institut für Psychologie sowie am CCP und zu Gast bei einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung der Seelsorgeeinheit Limeshöhe. „Das Schweigen brechen“ nennt sich der Abend am 7. November um 19.00 Uhr im Franziskus-Gymnasium Mutlangen.

Frau Doktor Fuchs, warum ist es so wichtig zu sprechen und das Schweigen im Hinblick auf sexuellen Missbrauch zu brechen?

Dr. Fuchs: Es ist unerlässlich, nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene entsprechend zu informieren und auszubilden, achtsam gegenüber Verdachtsmomenten zu sein und angemessen zu reagieren, wenn ein Kind oder Jugendlicher über einen Missbrauch sprechen sollte. Dabei ist es besonders wichtig, zuzuhören und dem Gesagten Glauben zu schenken. Auch, wenn es sich um Missbrauch ohne direkten Körperkontakt (z.B. Online-Missbrauch) handeln sollte. In dem das Schweigen gebrochen wird, können den Betroffenen nicht nur Hilfestellungen angeboten werden, um oft langwierige und schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen zu vermeiden, sondern auch die Macht des Täters über das Opfer gebrochen werden.

Worin liegt die größte Hemmschwelle über das Geschehene zu sprechen?

Dr. Fuchs: Sexueller Missbrauch geht mit Scham- und Schuldgefühlen einher, zudem ist es auch Vertrauensmissbrauch, da die meisten Fälle sich mit Personen ereignen, die das Opfer kennt und denen es vertraut. Daher ist es von Bedeutung, Kindern und Jugendlichen beizubringen, sich jemandem zu öffnen, falls eine erwachsene Person Dinge mit ihnen tut, die ihnen nicht gefallen oder wenn Grenzen nicht gewahrt werden.

Was wird im CCP erarbeitet und für die MitarbeiterInnen im kirchlichen Dienst angeboten?

Dr. Fuchs: Wir bieten Aus- und Weiterbildungen an und sind bei Konferenzen sowie in der Forschung aktiv. Priester und Ordensangehörige, aber auch viele Laien aus der ganzen Welt und unterschiedlichsten Fachrichtungen kommen zu uns, um sich in „Safeguarding“ – was Schutz und Prävention zugleich bedeutet – ausbilden zu lassen.

Wie können wir vor Ort in unseren Diensten aufmerksamer sein?

Dr. Fuchs: Wenn alle Erwachsenen, die täglich mit Kindern und Jugendlichen zusammen sind im Stande wären, Risikofaktoren und mögliche Hinweiszeichen der jungen Menschen zu erkennen, sowie zweideutiges Verhalten bei anderen Erwachsenen zu identifizieren, könnte das schon eine große Hilfe sein.

Zur Person:

Dr. Katharina Fuchs ist geboren und aufgewachsen in Stimpfach und Ellwangen. Sie ist promovierte Diplom-Psychologin und arbeitet als Assoziierte Professorin am Psychologischen Institut sowie am Centre for Child Protection der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Bevor sie im Herbst 2012 an die Gregoriana nach Rom ging, war sie für mehrere Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin in Lehre und Forschung im Fachbereich Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt tätig. Ihre Forschungs- und Interessenschwerpunkte gelten dem Kinderschutz, der Klinischen Psychologie, der Emotions- und Empathieforschung sowie dem Aspekt der menschlichen Bildung in der Priesterausbildung.

Das Interview führte: Sibylle Schwenk, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Ostalb, Foto: privat