Gemeinsam Schweres aushalten

Wenn der Piepser runtergeht, schnellt der Puls in die Höhe. Dieser unüberhörbare Ton durchbricht den Alltag von elf Frauen und Männern aus dem Dekanatsbezirk Ellwangen/Neresheim. „In diesem Moment“, so beschreiben sie, „wird etwas anders, der Tag oder die Nacht nimmt einen anderen Verlauf“. Die Rede ist von Notfallseelsorgern. Von diesem wertvollen Dienst in extremen Situationen, die nicht selten, fast immer mit dem Tod zu tun haben.

Ellwangen-Schleifhäusle . Alle vier bis sechs Wochen trifft sich das Team der Notfallseelsorger in einer beschaulichen Gartenwirtschaft in Ellwangen-Schleifhäusle. Die Frauen und Männer setzen sich an einen Tisch, besprechen den Dienstplan für die nächsten Monate. „Man hat immer eine Woche Bereitschaftsdienst, und das dann 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche“, beschreibt Notfallseelsorgerin Irmgard Wiest. Zudem ist die Runde ein wichtiger Austauschplatz für Erlebtes. Man kann berichten von den Einsätzen, von Dingen, die einem noch auf der Seele liegen und Situationen, die man eben nicht so einfach wegsteckt.

„Das schwierigste ist es“, so berichtet Comboni-Pater Reinhold Baumann, „beim Überbringen einer Todesnachricht dabei zu sein“. Der oder die Angehörige weiß nichts von diesem Schreckensmoment, der das weitere Leben entscheidend verändern wird. „Man trifft die Menschen an in ihrem Alltag und du weißt ganz genau, dass jetzt eine Welt zusammenbrechen wird“, erzählt Pater Baumann. Die Todesnachricht selbst überbringe immer die Polizei. „Wir sind dann im Anschluss für die Angehörigen da, wir kümmern uns um sie, und zwar ohne Zeitdruck“.

Wie in einer Schockstarre seien Angehörige oft in diesen Situationen, lässt Hans-Peter Ziegler, der im Rettungswesen tätig ist, wissen. Dann gelte es zuzuhören, da zu sein, erste Schritte zu überlegen und manchmal auch, die Möglichkeit des Abschieds zu schaffen.

Anderthalb Jahre lang werden die Notfallseelsorger auf ihren Dienst vorbereitet. Und wenn es auch ein gewisses Schema gibt, nach dem sie planmäßig vorgehen könnten, so ist doch jeder Fall anders. „Wir fühlen uns hinein in die Situation und halten sie gemeinsam aus“, empfindet Renate Huober. Schon oft habe sie den Satz gehört: „Das war so gut, dass sie da waren“, aber allzu viel dürfe man auch nicht erwarten. Oft erlebe man auch, so ergänzt Peter Müller, dass Menschen diese Situationen völlig ausblenden und sich danach nicht einmal daran erinnern, wer sie in den ersten Stunden getröstet hat.

Das empfinden die Notfallseelsorger jedoch nicht als schlimm. Man spüre die Dankbarkeit und der Menschen, auch wenn sie nicht ausgesprochen wird. Und das ist genau auch die Motivation für die elf Frauen und Männer im Notfallseelsorger-Team Ellwangen, diesen Dienst ehrenamtlich zu tun. Sie schenken ihre Zeit, um gemeinsam Schweres auszuhalten.

28.06.2019/Dekanat Ostalb/Schwenk

Foto (Schwenk): v.l. Thomas Wiest, Irmgard Wiest, Pater Reinhold Baumann, Margret Foltin, Erika Megerle, Hans-Peter Ziegler, Peter Müller, Renate Huober.

Auf dem Foto fehlen: Martin Keßler, Achim Binder, Pfr. Martin Schuster