Kirche verspielt freiwillig ihre weibliche Seite

„Wir wollen jetzt nicht mehr nur das Diakonat der Frau, sondern alles“. Das sagen die Frauen des Katholischen Frauenbundes aus dem Zweigverein Aalen. Mit der bundesweiten Aktion „Maria 2.0“ soll dieser Forderung deutlich Nachdruck verliehen werden. Maria 2.0 ist auf Initiative einer Frauengruppe aus Münster entstanden. Der Katholische Frauenbund (KDFB) der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat diese aufgegriffen und ruft vom 11. bis 19. Mai zu einem Streik auf. „Aus Liebe zu unserer Kirche“, lassen die Aalener Frauen wissen.

Foto (Schwenk): Sie habe der Madonna in der Salvatorkirche Aalen den Mund zugeklebt. Eine symbolhafte Handlung. V.l. Luzia Gutknecht, Birgitta Pfeil, Rosi Bernlöhr-Goth, Marija Treska, Maria Eßeling, Christel Stockhammer.

Aktionen:

  1. Mai 10.30 Uhr vor der Salvatorkirche
  2. Mai 17.00 Uhr Haus der Katholischen Kirche: Film: „Jesus und die verschwundenen Frauen“ mit anschließender Diskussion
  3. Mai 9.00 Uhr vor der Marienkirche

Luzia Gutknecht, Rosi Bernlöhr-Goth, Marija Treska, Christel Stockhammer, Maria Eßeling und Projektmitarbeiterin Birgitta Pfeil setzen diese Aktion vor Ort um. Am kommenden Sonntag gehen die Frauen nicht in den Gottesdienst, sondern feiern einen eigenen draußen am Portal der Salvatorkirche – direkt zur Gottesdienstzeit um 10.30. Am 19. Mai wird die Aktion um 9.00 Uhr vor der Marienkirche fortgesetzt. „Mit weißen Tüchern, die die Farbe des Neubeginns, aber auch der Trauer symbolisiert, wollen wir diesen Gottesdienst begehen“, sagt Birgitta Pfeil.

Worum geht es in dieser ganzen Sache? Von jeher arbeiten Frauen aktiv in der Kirche mit, ohne Frauen wären viele Dienste, vor allem im sozialen Bereich, schon lange nicht mehr denk- und durchführbar. Doch nach wie vor ist Frauen das Weiheamt in der katholischen Kirche verwehrt. „Ohne theologischen Hintergrund“, fügt Luzia Gutknecht an. Sie ist Lehrerin für Latein und Religion am Theodor-Heuß-Gymnasium in Aalen und weiß, wovon sie spricht.

Nicht aufgearbeitete Missbrauchsfälle und die Machtstrukturen in der Kirche haben diese Frauen, die ihre Kirche zeitgemäß gestalten wollen, endgültig satt. Deshalb stehen sie jetzt einmal mehr auf und fordern ein radikales Umdenken. „Frauen sollen in allen Strukturen mitwirken können“, so Luzia Gutknecht. Denn: Frauen seien genauso Geist-begabt wie Männer und ihre Rolle in der Kirche sei erst im Laufe der Geschichte verloren gegangen, fügt Birgitta Pfeil an.

Eine gewisse Traurigkeit schwingt in den Stimmen der Frauen mit. „Wir wünschen uns eine ehrliche und vertrauenswürdige Kirche, sonst verlieren wir den Bezug zu ihr“, führen Rosi Bernlöhr-Goth und Marija Treska aus. Und Christel Stockhammer ergänzt: „Unsere Kirche verspielt freiwillig ihre weibliche Seite“.

„Dieses Mal geht es um alles“, fasst Luzia Gutknecht zusammen. „Der Reformstau ist inzwischen so groß, dass einfach etwas geschehen muss“.

09.05.2019/Dekanat Ostalb/Sibylle Schwenk