„Eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell“

Pfarrer Daniel Psenner über die Eheschließung

Die Ehevorbereitungsgespräche sind wieder intensiver geworden. Die Sehnsucht von Mann und Frau, dass etwas Größeres diesen Bund begleitet, dass beide in einer höheren Macht geborgen sind – diese Sehnsucht hat in den letzten Jahren wieder zugenommen. Davon ist Daniel Psenner, Pfarrer in der katholischen Seelsorgeeinheit „Unterm Bernhardus“, überzeugt. So zeigen sich die Paare nach den beiden Ehevorbereitungsgesprächen oft sehr berührt und sind sehr dankbar. „Die Vorfreude auf die kirchliche Trauung ist dann noch größer“, empfindet Pfarrer Psenner.

Etwa zehn Mal im Jahr traut Pfarrer Psenner in St. Jakobus, Bargau. Seit neun Jahren ist er Pfarrer dort. Ursprünglich jedoch kommt der in Wangen im Allgäu geborene Psenner aus der Klinikseelsorge. „Doch auch bei den Ehevorbereitungsgesprächen gibt es durchaus sehr tief greifende Momente und intensive Gespräche“, weiß er aus Erfahrung.

Zwei Ehevorbereitungsgespräche sind vor einer kirchlichen Trauung zu führen. Zuallererst jedoch muss sich das Brautpaar um einen Termin für die Trauung selbst kümmern. Dieser wird beim Pfarrbüro angemeldet und abgestimmt. „Wer auf Nummer sichergehen will, sollte etwa ein Jahr vorher buchen“, merkt Psenner an. Das erste Gespräch findet dann etwa ein halbes Jahr vor der Eheschließung statt. Hier geht es fast ausschließlich um die rechtliche Klärung. Denn es gibt Gründe, die eine kirchliche Trauung nicht möglich machen: die so genannten „Ehehindernisse“. Dazu gehört etwa eine bestehende Ehe, Blutsverwandschaft oder die noch nicht erreichte Volljährigkeit. Bei Geschiedenen muss eine genaue Prüfung durchgeführt werden, ob es Ehe-Nichtigkeitsgründe gibt. „Hier ist unser Offizialat in Rottenburg eine große Hilfe, das sehr gute Lösungen schnell findet“, führt Daniel Psenner aus.

Warum handhabt die katholische Kirche diese Punkte so streng? „Die Ehe ist ein Sakrament und hängt damit sehr hoch“, erklärt der Pfarrer. Das Besondere ist, dass es das einzige Sakrament ist, das kein Priester oder Diakon spendet. „Dieses Sakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig“. Durch ein Sakrament mache Gott eine ganz verbindliche Zusage an uns. „Im Fall des Ehe-Sakraments ist Gott Teil dieses Bunds. Er bindet sich genauso an die beiden Menschen, wie sie es gegenseitig tun. Es ist somit ein Dreierbund, der eigentlich nicht auflösbar ist.“ Gott habe damit den gleichen Anteil an dieser Ehe und gebe die Zusage, dass es gelingt.

Nicht nur deshalb bietet Daniel Psenner den Paaren gerne eine Schriftstelle aus dem Buch Kohelet an, wo es heißt: „Zwei sind besser als einer allein. Denn wenn sie hinfallen, richtet einer den anderen auf…Und wenn jemand einen Einzelnen auch überwältigt, zwei sind ihm gewachsen, und eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell.“

Das zweite Ehevorbereitungsgespräch findet etwa sechs bis acht Wochen vor der Trauung statt. Dies ist – wie auch das erste – ein seelsorgerliches, geschütztes Gespräch, das vertraulich ist. Hier geht es um den eigenen Glauben, um die Vorstellung davon, wie der Glaube in der Ehe gelebt wird. „Ich ermuntere die Paare auch, gemeinsam zu beten“, sagt Pfarrer Psenner. Und nicht selten werde dieses Angebot auch umgesetzt. Er empfiehlt den Paaren auch, sich die Worte bei der Trauung mit gegenseitigem Blickkontakt zuzusprechen. Dann habe das Eheversprechen nochmal eine ganz andere Qualität.

Weiter geht es in diesem zweiten Gespräch dann um die Gestaltung des Gottesdienstes. Man sucht gemeinsam Schrifttexte, Lieder und Fürbitten heraus. Es wird auch besprochen, wann und wie fotografiert werden darf. In all den Jahren, in denen Pfarrer Psenner schon Trauungen durchgeführt hat, hat er die Erfahrung gemacht: „Je schlichter desto besser. Dann ist es viel inniger“.

01.11.2018/Dekanat Ostalb/Schwenk

Foto (Schwenk): Pfarrer Daniel Psenner aus Bargau, Seelsorgeeinheit Unterm Bernhardus.

Der Beitrag erscheint im Hochzeitsmagazin Sag ja! als Beilage der Gmünder Tagespost und der Schwäbischen Post