Watson und das Evangelium

Die kirchlichen MitarbeiterInnen im katholischen Dekanat Ostalb befassten sich bei der Dekanatskonferenz in Neuler mit „A smarter life“ – Bischof Dr. Gebhard Fürst fordert zur Gestaltung der Digitalisierung auf

Was würde „Watson“, das Computerprogramm der Künstlichen Intelligenz, wohl zum Evangelium der Arbeiter im Weinberg sagen? Das hat Dr. Rolf Siedler in seinem Vortrag „A smarter life – Ansichten der Digitalisierung zwischen Hysterie und Hype“ in den Raum gestellt. Die Ausführungen des Betriebsseelsorgers richteten sich während der Dekanatskonferenz an die in der Seelsorge tätigen MitarbeiterInnen. Zu den prominenten Gästen gehörte Bischof Dr. Gebhard Fürst. Er stellte sich im Anschluss im Gemeindezentrum von St. Benedikt in Neuler, den Fragen der rund 100 Anwesenden.

Foto (Schwenk): Digitalisierung gestalten – damit befasste sich die Dekanatskonferenz in Neuler. Mit dabei Bischof Dr. Gebhard Fürst (Mitte). V.l. Dekan Robert Kloker, stellvertretender Dekan Dr. Pius Adiele, stellvertretender Dekan Johannes Waldenmaier, stellvertretender Dekan Pater Jens Bartsch.  

Die Digitalisierung ist das Thema dieser Dekanatskonferenz. Und es findet großen Anklang bei den MitarbeiterInnen des Dekanats. Sie hören die Ausführungen des Betriebsseelsorgers, der diese „vierte Revolution“ in einen gesamtweltanschaulichen Zusammenhang stellt, um das, was sich „unsichtbar über uns allen ausbreitet“ eine Einordung zu geben. „Die Möglichkeiten der Technik heute sind nicht mehr überschaubar“, sagt Siedler. George Orwells Darstellung eines Überwachungsstaates im Roman „1984“ sei gegen das Phänomen der Digitalisierung „Kinderkram“. „Die Aufgabe der Kirche ist es“, so führt Siedler aus, „die Grenzen der Digitalisierung kritisch zu debattieren“. Doch dafür müsse man sich damit einfach auskennen. Als Resümee sieht der Betriebsseelsorger, dass die Würde als Grundkategorie des Zusammenlebens immer im Mittelpunkt bleiben müsse, dass Machtverhältnisse und soziale Zerwürfnisse aufgedeckt und Räume geschafft werden sollten für Begegnung. „Bei allem, was wir tun, müssen wir glaubwürdig sein“, gibt Siedler den Anwesenden mit auf den Weg.

Mit großen Interesse verfolgte auch Bischof Dr. Gebhard Fürst den Vortrag. „Die Digitalisierung beeinflusst die Gesellschaft und die Ethik nachhaltig“, kommentierte der Bischof. Als Anwälte der Menschlichkeit sei die Kirche gefragt, mit Selbstbewusstsein und Knowhow die Digitalisierung zu gestalten.

Gebhard Fürst ist Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz. Er lenkt deshalb auch den Blick auf die Vorteile in der Kommunikation durch digitale Möglichkeiten. Er lädt die MitarbeiterInnen ein, dort präsent zu sein, wo Menschen Kommunikation suchen. Der Bischof stellte sich im Anschluss daran auch den kritischen Fragen der Anwesenden bezüglich Personalverteilung, Datenschutz und Finanzen.

Davor versammelten sich die KonferenzteilnehmerInnen in der Kirche St. Benedikt in Neuler. Dekan Robert Kloker hielt die Andacht gemeinsam mit seinem Dekane-Team. „Gottes Ordnung entspricht nicht unseren Vorstellungen“, sagte der Dekan zu der Stelle im Matthäus-Evangelium, wo es um die Arbeiter im Weinberg geht. Diese immer wieder provozierende Textstelle fand in der Interpretation Klokers eine wertvolle Deutung.

Betriebsseelsorger Dr. Rolf Siedler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlässlich der jährlichen Dekanatssitzung, dieses Mal in Neuler, war sogar Bischof Dr. Gebhard Fürst dabei, welcher unter anderem zum Thema „Digitalisierung in den Kirchen“ Rede und Antwort stand.

Die Wahrnehmung der Digitalisierung ist sehr verschieden. Bei den Einen löst sie Freude aus, bei den anderen Entsetzen. Im Vortrag „A smarter life – Ansichten der Digitalisierung zwischen Hysterie und Hype“, welche Dr. Rolf Siedler am 12. Juli bei der Dekanatssitzung hielt, informierte er darüber wie wichtig es ist, sich mit der Digitalisierung intensiv zu befassen – unter anderem für die Kirche.
Auch ökologische Probleme oder die Inklusion benachteiligter Menschen lassen sich für viele nur mit der Digitalisierung lösen sagt Rolf Siedler. Er erklärt, wie es zu einer digitalisierten Welt gekommen ist und was es mit der neuen Etappe in die wir eintreten, genannt „Arbeit 4.0“, auf sich hat. Mit dem Beispiel von „Watson“, einem Computerprogramm aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz erklärt er, dass nicht nur „einfache Jobs“ durch die Digitalisierung ersetzt werden. Vor allem im Bereich der Medizin kommt Watson zum Einsatz. In weniger als einer Sekunde könne er feststellen, was dem Patienten fehlt.  „Digitalisierung ersetzt keine Begegnungen“ erinnert Siedler und nennt dadurch das ethische Dilemma welches er bei der Digitalisierung sieht.

Im Anschluss hatte Bischof Dr. Gebhard Fürst das Wort und erklärte es ist wichtig, dass die Kirche dort präsent ist wo die meisten Leute sind – im Internet.