Hospiz als Ort der Menschen

Ein Ort der Menschen, an dem guter Geist und Geborgenheit spürbar wird, will das Gmünder Kloster-Hospiz werden. Ab September kommen die ersten Gäste.

von Pavel Jerabek und Sibylle Schwenk

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Garten der Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung ist das neue Kloster-Hospiz in Schwäbisch Gmünd eingeweiht worden. In dem Neubau an der Südseite des Klosters, eingebettet in das Grün des großzügigen Gartens, werden künftig schwerstkranke Menschen mit ihren Angehörigen in den letzten Tagen und Stunden des Lebens begleitet. Durch eine fachlich fundierte, individuelle und ganzheitliche Pflege soll der Aufenthalt der bis zu acht Bewohnerinnen und Bewohner so gestaltet werden, dass sie eine möglichst hohe Lebensqualität bei größtmöglicher Selbstbestimmung erfahren können.

In dem lateinischen Wort „hospitium“, von dem der Begriff Hospiz abgeleitet ist, stecken übersetzt mehrere Schlüsselwörter, die für die Idee des Hospizwesens prägend sind: Herberge und Gastfreundschaft, so erinnerte der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schwäbisch Gmünd-Mitte und Dekan des Dekanats Ostalb, Robert Kloker, zu Beginn des Gottesdienstes. Die Anbindung an eine klösterliche Gemeinschaft gebe das religiöse Fundament.

„Da berühren sich Himmel und Erde“

Als einen „Ort an der Schwelle des Übergangs“ umschrieb in ihrer Predigt die evangelische Gefängnisdekanin Susanne Büttner das Hospiz und zeigte sich überzeugt, dass vom Kloster-Hospiz sehr viel Bewegung ausgehen werde, wie auch in der letzten Lebensphase. „Wir leben aus Christus heraus und wir sterben in ihn hinein“, zitierte sie aus dem Römerbrief (Röm 14, 7-9) und spannte so den Bogen zum Motto des Gottesdienstes: „Da berühren sich Himmel und Erde“.

Froh und glücklich über das neue Hospiz und die ihm zu Grunde liegende franziskanische Spiritualität äußerte sich nicht nur der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold in einem Grußwort. Bereits bei der Baufertigstellungsfeier vor wenigen Wochen hatte Landrat Dr. Joachim Bläse die Bedeutung von solchen Orten hervorgehoben, an denen der Mensch wieder spüre: es geht um ihn. Das Kloster-Hospiz sei ein Ort der Menschen, an dem Spiritualität, guter Geist und Geborgenheit spürbar werde, sagte Bläse, der in seiner Zeit als Erster Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd den Impuls zu diesem Projekt gab.

Der Landrat hob besonders hervor, dass hier ein Ort der Begegnung und des Austausches entstehe, an dem hauptamtliche Kräfte, Familien und der ehrenamtliche Hospizdienst zusammenkommen, dass dieser Ort getragen werde von vielfältigen gesellschaftlichen Akteuren. Für dieses große Netzwerk sei er sehr dankbar.

„Gemeinschaft spüren und handeln“

Glückwünsche und Dankesworte überbrachten anlässlich der Feier der Fertigstellung auch der Erste Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, Christian Baron, die Vertreterin der 23 Kommunen der Raumschaft, die Mutlanger Bürgermeisterin Stephanie Eßwein, und die Schirmherrin der Agnes-Philippine-Walter-Stiftung, Annette Schavan.

Die Stiftung, eine Gründung der Franziskanerinnen von Schwäbisch Gmünd, ist Trägerin des Hospizes. Unter dem Leitwort „Gemeinschaft spüren und handeln“ hat sich die nach der Gründerin der Klostergemeinschaft benannte Stiftung zum Ziel gesetzt, Hilfen für Menschen vor Ort, überregional, national und international zu schaffen und nachhaltig zu sichern. Die Schwerpunkte der Aktivitäten liegen in den großen Themenfeldern der Hilfe für Frauen und Kinder, der Gesundheit und der Katastrophenhilfe. Mit dem Hospiz kommt nun ein weiteres Aufgabengebiet hinzu.

Harmonisch und doch eigenständig

Für das Hospiz wurden zwei Gebäudeteile des Klosters abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Als sehr hohen Anspruch bezeichnet es Architekt Heinz W. Springmann, das Hospiz an die nach Plänen von Gisberth Hülsmann von 1998 bis 2000 gebaute Klosterwelt anzuschließen und eine Ergänzung zu schaffen, „die mit dem bestehenden Kloster harmoniert und trotzdem eigenständig bleibt“. Als besonders wichtig beschreibt Springmann das Thema Licht und Aussicht. Alle acht Gästezimmer haben die gleiche Aussicht, die gleiche Lage; jeder, der hier seine letzten Wochen oder Tage verbringt, finde die gleiche schöne Situation vor: zum Beispiel geben die Gauben auch vom Bett aus den Blick in den Himmel frei, oder die Pflegebetten können auf den Balkon geschoben werden, so der Architekt. Denn im Hospiz geht esnicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, wie Cicely Saunders, die Begründerin der Hospizbewegung, einmal sagte.

Nach den Worten der evangelischen Dekanin Ursula Richter ist das Kloster-Hospiz eine „Trostherberge, ein Raum der Individualität für würdiges Sterben“. Und Dekan Kloker erinnert daran, dass wir als Menschen nicht umhinkommen, anderen zur Last zu werden, und dass es wichtig ist, zu wissen und zu spüren: „Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben.“ An die vielen gerichtet, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben und beitragen, sagte die frühere Generaloberin Sr. Benedicta Ewald: „Ich wünsche allen, die im Kontakt mit dem Hospiz leben, arbeiten, beten und uns Unterstützung jeder Art geben, Gottes Segen für ihren Einsatz, seinen helfenden Geist, der keine Grenzen kennt und uns immer wieder daran erinnert, dass das Leben ein Geschenk ist.“