Glauben passiert auf dem Weg

Er bricht seine Zelte nach fast 16 Jahren in Wasseralfingen und Hofen ab. Er habe gespürt, „dass es Zeit ist“. Pfarrer Harald Golla verlässt die Seelsorgeeinheit Richtung Norden und wird am 25. Juli in Jagstzell seine neue Stelle antreten. „Glauben passiert auf dem Weg“, sagt Pfarrer Golla und verbindet damit seinen persönlichen Weg mit dem Fronleichnamsfest, jenem Gottesdienst, an dem er das letzte Mal hinter dem Altar in Hofen steht.

In die Glück-Auf-Halle auf dem Kappelberg, der Wasseralfingen und Hofen gleichsam verbindet, sind so viele Menschen gekommen, wie es die Pandemie zulässt. Und weil eine „Rudelbildung“ nach dem Gottesdienst tunlichst vermieden werden soll, geht Pfarrer Golla von der Bühne und steigt direttissima in einen schwarzen Porsche, um zu gehen. So viel Spektakel lässt er gerade noch zu.

Der Abschiedsgottesdienst ist so, wie man Pfarrer Golla kennt. Geradlinig, auf das Wesentliche im Glauben bezogen und nicht auf seine Person. „Ich weiß nicht, ob sie’s wussten, aber das ist heute mein letzter Tag hier“, schmunzelt Pfarrer Golla ins Mikrofon auf der Bühne der hübsch geschmückten Sporthalle mit den akribisch genau aufgestellten Sitzplätzen. Er gehe ganz ohne Wehmut, weil die Dankbarkeit so sehr überwiege, und die Freude auf das, was nun komme. „Die Menschen hier haben mir ihr Herz geöffnet“, sagt der beliebte Seelsorger. Hervorragende Rahmenbedingungen habe er hier vorgefunden. Ein tolles Team und viele ehrenamtliche Mitarbeitende hätten es ihm leicht gemacht. „Ein Pfarrer kann alleine nichts tun“, so Golla und wünscht den Gemeinden Mut, Gelassenheit und Humor. „Schöpfen wir Kraft aus dem Vertrauen, dass Gott immer bei uns ist“, sagt er den Kirchenbesuchern zu.

Davor hat die Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats Wasseralfingen, Jutta Schaff, davon gesprochen, dass Pfarrer Golla eine gefestigte, lebendige Seelsorgeeinheit zurücklasse, an der weitergebaut werden könne. Sie vergleicht die beiden Gemeinden Wasseralfingen und Hofen mit einem Doppelhaus, bei dem sich nach und nach die Türen zueinander öffneten. Golla sei ein Pfarrer gewesen, der ganz nah an den Menschen ist.

Den ehrlichen, ökumenischen Dialog und „kein Wort zu viel“, lobt Pfarrer Uwe Quast von der evangelischen Schwestergemeinde. Dafür und für „pragmatische“ Lösungen auf dem ökumenischen Weg der Einheit in der Verschiedenheit, dankt Quast.

„Wir werden sie vermissen“, bringt es Ortsvorsteherin Andrea Hatam auf den Punkt. Sie bedauere sehr das Weggehen Gollas. Seine Toleranz und Offenheit, zuletzt sichtbar geworden in der Regenbogenflagge, die symbolhaft für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare an den Kirchen in Wasseralfingen und Hofen hing, gehörten zu ihm. Diese Eigenschaften hätten auch für den Zusammenhalt der weltlichen Gemeinden gesorgt.

Am Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Fronleichnam, dem „durch und durch katholischen Fest und der Demonstration des Glaubens“, all dies, so Pfarrer Golla in seiner Predigt, sei in diesem Jahr durch die Pandemie reduzierter und konzentrierter. „Der Herr begegnet uns ein einem kleinen Stück Brot“. Fronleichnam und seine traditionellen Prozessionen tragen aber auch auf: „Wir müssen uns mit unserem Gott auf den Weg machen, denn Glaube passiert auf dem Weg“.

03.06.2021/Dekanat Ostalb/Schwenk

Fotos: Schwenk