Ein ganz starkes Symbol

Ein Mensch ist gestorben. Plötzlich, von heute auf morgen oder nach einer langen Phase der Krankheit, ist dieser Mensch nicht mehr da. Man möchte den Verstorbenen am liebsten festhalten und ihr oder ihm noch einmal etwas sagen, Abschied nehmen. Doch während des Lockdowns und der Zeit der starken Kontaktbeschränkungen war dieses Abschiednehmen nicht immer möglich. Zum Teil konnten nur zehn Menschen an der Bestattung teilnehmen. Man musste für das Abschied nehmen eine andere Form finden.

Im geistlichen Zentrum „Landpastoral Schönenberg“, einer Einrichtung des Dekanats Ostalb, arbeiten Ingrid Beck und Michaela Bremer in dem sensiblen Bereich der Trauer. „Wir möchten, dass alle, die während des Lockdowns nicht richtig Abschied nehmen konnten, dies nachholen können“, sagen die beiden Religionspädagoginnen. So kamen in den letzten Juli-Tagen Frauen und Männer zu einem Abschieds-Ritual in der Tagungshauskapelle der Landpastoral auf dem Schönenberg zusammen.

Dunkelrote Rosen stehen in einer Vase in der Mitte des Raumes. Das Kreuz bestimmt die Atmosphäre, die Osterkerze brennt. „Sie können jetzt, wenn sie möchten, auf die vorbereiteten Zettel schreiben, was sie dem Verstorbenen noch sagen wollten, was sie ihm oder ihr auf dem Weg mitgeben wollten“, sagt Ingrid Beck den Anwesenden zu. Es ist eine andächtige Atmosphäre. Die Frauen und Männer verbindet die Trauer und das Gedenken an die Verstorbenen. Vieles trägt man im Inneren vor Gott. Ingrid Beck schließt all diese Gedanken ein und formuliert ein Gebet. Danach machen sich die Trauernden auf den Weg. Mit der brennenden Osterkerze, dem Symbol der Auferstehung, geht es Richtung Friedhof und zu dem dort stehenden großen Steinkreuz. Wie ein Trauerzug bewegen sich die Abschiednehmenden, die Gedanken fest bei den Verstorbenen. Vor dem Kreuz entzündet Ingrid Beck mit Hilfe von Weihrauch-Kohlen ein kleines Feuer. Eine Bibelstelle, ein Lied, ein Gebet. Die Zettel mit den formulierten Wünschen und jenem, was man dem Verstorbenen unbedingt noch sagen wollte, verbrennen in der Glut des Weihrauchs. Mit dem wohlriechenden Duft steigen sie als Rauch in den Himmel. Ein ganz starkes Symbol.

Der Dank für diese Stunde des Abschiednehmens und des Durchführens von Trauerritualen steht den Frauen und Männern ins Gesicht geschrieben. Sie nicken sich gegenseitig zu – die Feier hat geholfen. In der Zeit der Trauer ist man als Christ nicht allein. In Gott findet sich Trost und die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Irgendwo dort, wo der Weihrauch hingezogen ist.

28.07.2020/Dekanat Ostalb/Sibylle Schwenk

Info: Ingrid Beck und Michaela Bremer stehen auch zu einem persönlichen Trauergespräch zur Verfügung.

Kontakt:

Michaela Bremer, Michaela.Bremer@drs.de, T. 07961/9249170-12

Ingrid Beck, Ingrid.Beck@drs.de, T. 07961/9249170-16

Nächste Veranstaltung zum Thema Trauer:

„Mir und anderen in der Trauer begegnen.“
Eine Spurensuche – auch im Glauben – an drei zusammenhängenden Abenden.

8.10./22.10./05.11.2020, jeweils 17.30-19.30 Uhr