Kirche braucht den ehrlichen Glauben

Die Antworten sind nicht einfach und schon gar nicht bequem. Was Thomas Frings, katholischer Priester und Autor am Donnerstagabend zum Thema „Ideen für eine Kirche der Zukunft“ zu sagen hatte, gab nicht nur zu denken, sondern machte auch Mut und Lust darauf, Kirche zu gestalten. Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung (keb Ostalb) ist der Theologe nach Aalen gekommen. Die Marienkirche in Aalen war im Corona-Abstand mit knapp 100 interessierten Frauen und Männern voll besetzt.

„Wir geben Menschen Antworten auf Fragen, die sie nicht haben“, sagt Thomas Frings. Ein Grund dafür, dass Kirche am Aussterben ist und dass es im Jahr 2019 so viele Austritte gab wie noch nie. Am Menschen sein, am Alltag, das ist nicht die sonntägliche Messfeier. „Wir denken noch zu viel vom Sonntag aus“, ist Frings überzeugt. Dennoch ist für ihn die Liturgie ein „Mantra, das ich gerne wiederhole, weil ich es brauche“. Immer wieder betont Thomas Frings, dass er zutiefst in seinem Glauben verwurzelt ist und seinen Beruf als Priester liebt. Er erklärt, warum er glaubt: „Ich kann nicht mit dem Gedanken leben, dass die Würmer das letzte Wort haben“. Nach dem Tod komme noch was, ist Frings überzeugt, und er wird dabei auch ganz konkret, in dem er seine Vorstellung vom Himmel erzählt. „Wie Gott das dann mal macht, das können wir nicht wissen und das ist auch sein Problem“, wirft er ein.

Die amüsanten, unterhaltenden Passagen, die seinen Vortrag durchziehen, bringen ihn ganz nah und authentisch zu den Zuhörenden. Weil in Gottes Gegenwart wieder etwas gut werden könne und er mit dem schönen Wort „Heiland“ beschrieben wird, auch das sei ein Grund seines Glaubens. „Glaube ist nichts Rationales, es ist nicht logisch zu erklären, dass vor 2000 Jahren mal jemand behauptet hat, er sei Gottes Sohn“, führt Frings aus. Aber: „Es geht auch nicht um Logik, wenn man Fan eines Fußballclubs werden will“.

Er selbst ist vor 34 Jahren Priester geworden, aufgewachsen in einer katholischen Familie und hineingewachsen in all die Traditionen, die damit einhergehen. Frings misst diesem Hineinwachsen in den Glauben einen großen Stellenwert zu und der Tatsache, dass „uns der Glauben etwas geben muss, dass er uns nähren muss“.

Genau hier setzt auch die Quintessenz seines Vortrags an. Kirche kann nur weiterleben, wenn sie den Menschen etwas gibt, das sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weiterbringt, wenn die Gedanken einer Predigt, das Wort Gottes oder der Empfang der Kommunion die Menschen „ver-wandelt“, damit sie die Welt ein Stückchen besser machen können. „Das, was ich höre, muss mich nähren, es muss etwas zum beißen sein“.

„Nur, wenn wir selbst überzeugt sind, von dem was wir glauben“, so gibt Thomas Frings den Zuhörenden mit, „können wir den Glauben weitergeben und danach leben“.

Im anschließenden Gespräch stand Thomas Frings ehrlich Rede und Antwort. Aussagen wie „Lasst uns nicht immer vom Sonntagmorgen her denken“, oder „wir bedienen zu viele alte Traditionen“, oder „so lange es keine Frau gibt, die einen Mann aus seinem pastoralen Dienst entlassen kann, läuft etwas falsch“, gehörten dazu.

10.07.2020/Sibylle Schwenk

Foto (Schwenk): Der Priester und Autor Thomas Frings stieß mit seinen Ausführungen in St. Maria auf großes Interesse: „Wir geben Antworten auf Fragen, die die Menschen nicht haben“.

Info:

Thomas Frings ist 60 Jahre alt und kommt aus dem Rheinland. Er ist seit 34 Jahren Priester und arbeitet momentan in Köln in einer Innenstadtgemeinde. Mit seinem Rücktritt als Pfarrer in Münster im Jahr 2016 und der Schrift „Kurs-Korrektur“ erregte er deutschlandweit großes Aufsehen.

Thomas Frings hat zwei Bücher geschrieben: „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ und „Gott funktioniert nicht – deshalb glaube ich an ihn“, im  Herder-Verlag erschienen.