Ideen für eine Kirche der Zukunft

Er wollte nicht mehr Pfarrer sein und wurde deshalb berühmt: Thomas Frings, 1987 zum Priester geweiht und von 2009 an Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster, legte nach sieben Jahren sein Amt als Pfarrer nieder und ging ins Kloster.  Seine Bilanz der Kirchenkrise wurde zum Bestseller. Am 9. Juli ist er um 19.30 Uhr Gast der Katholischen Erwachsenenbildung im Gemeindehaus St. Maria in Aalen.

Foto: Stefan Sättele, Herder-Verlag

„Wir sind froh, dass wir diesen interessanten Menschen für einen Vortrag gewinnen konnten“, freuen sich Birgit Elsasser und Wilfred Nann von der Katholischen Erwachsenenbildung. Ursprünglich war diese Veranstaltung der Schlusspunkt einer fünfteiligen Reihe zum Thema „Kirche verwandeln“. Doch wegen der Corona-Pandemie mussten alle Vorträge ausfallen. „Die Veranstaltung mit Jacqueline Straub, die katholische Priesterin werden will, wird am 23. April 2021 nachgeholt“, versichern Nann und Elsasser. Der jetzige Abend am 9. Juli werde auf jeden Fall stattfinden, denn bei großer Nachfrage könne man auch in die Marienkirche ausweichen.

Als Thomas Frings, Großneffe des Kölner Erzbischofs Kardinal Joseph Frings, im Februar 2016 sein Amt als Pfarrer niederlegte, ins Kloster ging und diesen Schritt öffentlich erklärte, war das Echo gewaltig. Nicht nur in den Medien, auch unter Amtsbrüdern und Gläubigen. Tausende Follower auf Facebook likten seinen Schritt. Sie spürten: Dort ist jemand, der nicht aus Trotz oder Angst, sondern aus tiefer Liebe zur Kirche eine solch schwere Entscheidung getroffen hat.

Auch in seinem Buch „Aus, Amen, Ende ? – So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“, redet Frings Klartext, benennt Missstände und gibt Einblick in sein Seelenleben als Pfarrer. Er kritisiert, zeigt aber auch neue Wege auf und liefert Erklärungen und Lösungsansätze. Für Thomas Frings ist klar: Kirche muss wieder mehr Kirche sein, wenn sie überleben will. Und: „Ich habe kein Problem. Ich bin voller Energie und liebe meine Kirche. Ich will nichts anderes sein als Priester. Aber so kann es nicht weitergehen.“

In einem Interview führte Thomas Frings aus: „Als ich schweren Herzens meine Gemeinde verlassen habe, da wurde ich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, der Hirte verlasse seine Herde. Doch musste ich in dem Moment nicht selber darauf reagieren, sondern ein älterer Herr ergriff das Wort und sagte: „Das kann man selbstverständlich so sehen. Wenn jedoch auf den alten Wegen immer weniger Schafe mitgehen und man immer weniger weiß, wohin es gehen soll, dann muss es vielleicht auch Hirten geben, die die Herde einmal verlassen um vorauszugehen und nach neuen Wegen suchen.“

Heute lebt Thomas Frings bei den Kölner Benediktinerinnen und ist Pfarrvikar in der Innenstadt. Sein neues Buch heißt: „Gott funktioniert nicht – deshalb glaube ich an ihn“ und will keine Fortsetzung seines ersten Werkes sein. Darin wendet Frings sich selbst zu, seinem eigenen Glauben „Ich glaube nicht an Wunder, sondern ich glaube an die Zusage Jesu, dass ich im Tode nicht untergehen werde.“

01.07.2020/Sibylle Schwenk

Info: Eine Anmeldung zum Vortrag am 09.07.2020 ist erforderlich bis zum 06.07.2020 bei der keb Ostalbkreis unter Telefon 07361-59030 oder per Mail an: info@keb-ostalbkreis.de

Beide Bücher von Thomas Frings:

„Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ und „Gott funktioniert nicht – deshalb glaube ich an ihn“, sind im Herder-Verlag erschienen.