„Prävention wirkt“

„Wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir die Welt und die Kirche zu einem sichereren Ort für Kinder und Jugendliche machen“. Das sagte Dr. Katharina Fuchs, Mitarbeiterin am Psychologischen Institut und am Centre for Child Protection (CCP) der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Dass der Weg dorthin noch ein langer ist und weltweit mit unterschiedlichen Konzepten gearbeitet werden muss, das machte die Psychologin beim Vortrag „Das Schweigen brechen“ im Franziskus-Gymnasium deutlich.

Dr. Katharina Fuchs war der Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) Limeshöhe mit Pfarrer Matthias Frank gefolgt. Vor rund 100 Interessierten erläuterte die Referentin die Maßnahmen, die innerhalb der Kirche bereits getroffen wurden, um Prävention zu betreiben und bereits bekannt gewordene Fälle aufzuarbeiten. „Denn“, so sagt Katharina Fuchs, „obwohl das Problem sexuellen Missbrauchs nicht explizit ein Problem der katholischen Kirche ist, sondern ein menschliches, haben wir als Kirche eine andere moralische Verantwortung“.

Der jüngste Beschluss aus dem Vatikan, das „Motu proprio ‚Vos estis lux mundi‘“, will den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch durch kirchliche Amtsträger noch konsequenter und präziser als bisher weiterführen. „Es weitet die Gruppe der möglichen Opfer aus auf Personen, die sich gegen Übergriffe nur eingeschränkt wehren können“, führt die Rednerin aus. Außerdem mache man vor der Kirchenführung nicht mehr Halt. „Versetzungen sind nicht mehr möglich und Verantwortungsträger müssen transparent handeln“. Zudem müssen alle Diözesen innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Motu Proprio feste Meldesysteme für Missbrauchsfälle einrichten, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sind. Außerdem sollen diejenigen, die Missbrauch melden, besser geschützt und die Beteiligung von Laien sowie die Hinzuziehung von Experten von außen vorangetrieben werden.

Am Centre for Child Protection (CCP) der Gregoriana bilden Dr. Katharina Fuchs und ihre Kolleginnen und Kollegen innerhalb des Diplom-Kurses in “Safeguarding of Minors“ und des Lizenziats in „Safeguarding“ künftige Mitarbeiter und Verantwortliche in der Präventionsarbeit aus und schaffen in der Durchführung von Weltkongressen, Forschungen und Publikationen Bewusstsein und Aufmerksamkeit für die Thematik. Die Schwerpunkte liegen auch in der menschlichen Ausbildung während der Priesterausbildung und dem sexuellen Missbrauch in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. „Was hier in Deutschland funktionieren kann, ist beispielsweise in Indien nicht anwendbar“, führt Katharina Fuchs aus.

Für eine Bewusstseinsschärfung spricht sich die Referentin ganz explizit aus. Denn: Weltweit ist jedes vierte Kind Opfer sexuellen Missbrauchs. Kinderschutzprogramme verfolgten Ausbildung, Schutz und Training für und in allen Altersklassen und müssten vor allem die digitale Welt erreichen.

Gerade die in Ausbildung Stehenden sollen für die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Prävention sensibilisiert werden. So traf Dr. Katharina Fuchs auch Schülerinnen und Schülern des St. Loretto, Institut für soziale Berufe Schwäbisch Gmünd, und der Oberstufe des St. Franziskusgymnasiums Mutlangen um mit ihnen zu diskutieren und deren Fragen zu beantworten.

„Die Verantwortung für den Schutz vor sexuellem Missbrauch geht alle an“, resümiert die Referentin. Und auch wenn es Jahrzehnte dauern werde, um die Welt und Kirche zu einem sichereren Ort zu machen, so ist sie dennoch überzeugt: „Prävention wirkt!“.

11.11.19/Dekanat Ostalb/Sibylle Schwenk