„Wir brauchen Menschen, nicht Gebäude!“

Beim Dekanatsmännertag spricht Weihbischof Matthäus Karrer darüber, was ihm für die Zukunft der Kirche Hoffnung macht – Jugend gibt Start zum Countdown der kommenden 72-Stunden-Aktion

Dass Kirche an vielen Orten stattfindet, dass sich Menschen aus den Kirchen sozial und ehrenamtlich engagieren, dass christliche Werte in unsere Gesellschaft fließen können – all dies sind Zeichen der Hoffnung. So formuliert es Weihbischof Matthäus Karrer, der am Sonntagmorgen Gast beim traditionellen Dekanatsmännertag in Neuler gewesen ist. Diese Zeichen der Hoffnung in ihrer ganz realen Darstellung konnten rund 130 Gäste im katholischen Gemeindezentrum erleben.

Neuler . „Hat Kirche Zukunft? Kirche hat Zukunft!“ Unter diesem Motto stand der Dekanatsmännertag, ein Format mit großer Tradition, das regelmäßig eine Plattform für prominente Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche bietet. In diesem Jahr zum letzten Mal „firmiert“ die Veranstaltung unter diesem Titel. Künftig wird die Dekanatsleitung zum „Dekanatstag“ laden, teilte Pater Jens Bartsch, stellvertretender Dekan, den Anwesenden mit. Gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Zorn von der gastgebenden Gemeinde St. Benedikt in Neuler und Weihbischof Karrer zelebrierte er den Gottesdienst, der dem Treffen im Gemeindehaus voranging. „In jedem Menschen steckt der Himmel und wir dürfen uns getrost gegenseitig anhimmeln“, sagte der Weihbischof den Kirchenbesuchern zu.

Und mit dieser positiven Stimmung ging er auch den Vortrag an, ohne die derzeitige Situation der Kirche zu beschönigen: „Wohin geht es mit unserer Kirche, wenn Skandale nicht aufhören wollen, das Personal knapp ist und die bewährten Bilder von Kirche nicht mehr in unser heutiges Leben passen?“. Dennoch gebe es Hoffnungszeichen, die der Weihbischof mit realen Beispielen unterlegt. Kirche passiere an vielen Orten, in der Caritas, in der Krankenhausseelsorge, in geistlichen Zentren und Schulen, natürlich in den Gemeinden. Längst habe der Blickwechsel in den sozialen Raum begonnen und werde in Projekten, wie der Quartiersarbeit in Schwäbisch Gmünd, ganz praktisch umgesetzt. „Wir brauchen Menschen und nicht Gebäude“, betont Karrer nicht nur einmal. Das große ehrenamtliche Engagement, was er im Übrigen auch als „Auftrag für uns als Christinnen und Christen wertet“, sei unbezahlbar.

Auch hinsichtlich der am 1. März in Kraft getretenen, neuen Kirchengemeindeordnung erkennt der Weihbischof Zeichen der Hoffnung einer notwendigen Wandlung. „Die Zeiten, in denen ein Pfarrer der alleinige Chef der Kirchengemeinde ist, ist endgültig vorbei“, so Karrer. Pfarrer und Kirchengemeinderat leiten künftig gemeinsam und gleichwertig die Gemeinde, der Kirchengemeinderat ist das Leitungsgremium. Die Zweiten Vorsitzenden sind nunmehr die „Gewählten“ Vorsitzenden. Veränderungsprozesse in der Diözese, die Pilotprojekte anstoße, um näher an die Alltagssituationen der Gemeinden heranzukommen, machten ihm ebenfalls Hoffnung. „Wir müssen ausprobieren, bewerten, durchführen“. Dazu gehöre auch eine gerechte Verteilung der pastoralen Mitarbeiter innerhalb der Diözese. Im Dekanat Ostalb sind schon seit längerer Zeit 14 Vollzeitstellen unbesetzt. „Das müssen wir in den Griff bekommen und wir wünschen uns, dass die Kirchengemeinden sich so attraktiv präsentieren, dass pastorale Mitarbeiter gerne auf die Ostalb kommen“.

Dekanatsreferent Tobias Kriegisch moderierte die Gesprächsrunde, bei der dem Weihbischof von drei Gewählten Vorsitzenden aus Rosenberg, Wasseralfingen und Heubach Anfragen mitgegeben wurden, die die Selbständigkeit und freie Handlungsfähigkeit der Gemeinden, die Entlastung der Priester und die Stellenzuteilung in Pfarrämtern betreffen.

Der Weihbischof bekam für seine Ausführungen großen, anerkennenden Applaus. Nach dem gemeinsamen Weißwurstessen gaben die Jugendreferate des Dekanats noch einen tollen Impuls mit und eröffneten den Countdown zur 72-Stunden-Aktion, die vom 23. Bis 26. Mai stattfindet und zu der sich mittlerweile 560 Jugendliche angemeldet haben.

17.03.2019/Dekanat Ostalb/Schwenk

Fotos: Schwenk