Ein Dienstleistungszentrum im Sinne des christlichen Miteinanders

von Ursula Roschitsch

Der Tag der offenen Tür des frisch renovierten Pfarrsitzes findet am Sonntag, den 4.11.2018 statt. Eröffnet wird er mit einem Gottesdienst um 10.00 Uhr in der St. Peter und Paulskirche. Dem schließt sich um 11.00 Uhr die feierliche Öffnung der Türen einschließlich Segnung an,  mit Ansprachen der weltlichen und kirchlichen Gemeindevertreter und von Pater Sony. Die Türen schließen sich um 16.00 Uhr. Um 17.00 Uhr endet der Festtag mit einem Benefizkonzert des Kirchenchores Röhlingen in der Kirche zugunsten der Kirchenrenovierung.

Fragen an Pater Sony Pfarrer der Seelsorgeeinheit Philipp Jeningen Ost anlässlich des Tages der offenen Tür im Pfarrsitz in Röhlingen:

Herr Pater Sony, Sie sind Ordenspriester mit indischen Wurzeln. – Welche Wegweiser haben Sie nach Deutschland und so auch nach Röhlingen geführt?

Meine Wurzeln liegen in Kerala, einem indischen Bundesstaat am Arabischen Meer. 30 Prozent der Bewohner sind Christen. Ich selbst stamme aus einer armen, tief gläubigen Familie und habe zwei weitere Geschwister. Bereits mit 15 Jahren entdeckte ich den Wunsch in mir Priester zu werden. Mein größter Wunsch war es gewesen, in der Mission zu arbeiten und so entschied ich mich, Ordenspriester zu werden. In der Zeit nach dem Abschluss meines Studiums stellte die Diözese Rottenburg-Stuttgart an meinen Abt die Anfrage, ob Priester meines Ordens Interesse am Auslandsdienst in Deutschland hätten. Ich war noch nie im Ausland gewesen, hatte mich aber schon immer für andere Kulturen, Menschen mit anderen Wurzeln begeistert und so kam ich nach Deutschland, schlussendlich hier nach Röhlingen …

Was hat Sie überhaupt dazu bewogen Priester zu werden?

Das waren natürlich zuerst meine Familie und all die Menschen, die mich zum Glauben führten. Inspiriert in meiner Grundeinstellung zum Glauben hat mich eindeutig Mutter Theresa und ihre bedingungslose Hingabe an die Menschen in Elend und Not.

 Wenn Sie eine 100-Tage-Bilanz Ihrer Tätigkeit hier in der Seelsorgeeinheit ziehen wollten:

  • Was gefällt Ihnen an Ihrer neuen Pfarrstelle?

Da erinnere ich mich zuerst an meine überwältigende Freude angesichts der Tatsache, wie viele Menschen mich am 6. Mai 2018 in einer festlichen Zeremonie in der Kirche St. Peter und Paul willkommen geheißen haben und das, obwohl sie mich doch noch gar nicht gekannt haben! – Oder auch die Menschen, die mir geholfen haben hier in den Pfarrsitz umzuziehen, jederzeit bereit irgendetwas auszubessern oder hineinzutragen! – Oder auch die vielen kirchlichen Gruppierungen, die ich inzwischen kennenlernen durfte, jeder bereit, mir entgegenzukommen. Stellvertretend seien hier die über 70 Ministrantinnen und Ministranten meiner Seelsorgeinheit genannt. Mit 42 davon bin ich bereits nach Rom zum internationalen Ministranten Tag gereist.- Und privat nicht zu vergessen meine Freude an der schwäbischen Küche! Spätzle und ein Schnitzel schmecken mir außergewöhnlich gut! 

  • Wo möchten Sie Ihre persönlichen Schwerpunkte setzen? 

Nun da wäre ganz eindeutig der Wunsch, die Jugendarbeit der kirchlichen Gemeinden Röhlingen, Pfahlheim und Beersbach zu intensivieren, vielleicht auch dadurch, dass sie alle den Pfarrsitz hier vor Ort als Zentrum ihrer gemeinsamen Tätigkeit sehen.

Auch für junge Familien soll der neu renovierte Pfarrsitz mehr und mehr ein Ort gemeinsamer Begegnungen werden. Dies gilt  ebenso für all die Gruppierungen unserer aktiven Seelsorgeeinheit, die jetzt nicht genannt werden konnten 

In einem Vorgespräch fiel die Aussage der frisch renovierte Pfarrsitz sei ein „Dienstleistungszentrum im Sinne des christlichen Miteinanders“ – können Sie dies näher erläutern?

 Das fällt mir leicht zu beschreiben: Es sollte ein Wohlfühlzentrum für all die Menschen sein, die den Kontakt zu mir suchen, aus welchen Gründen auch immer. Ich wünsche mir, dass die Menschen, die über die Schwelle des Pfarrsitzes treten,  ein Heimatgefühl empfinden. Dann ergeht es ihnen nämlich genauso wie mir. Und das ist ein schönes Gefühl. 

Dieses Zentrum steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dorfhaus, dem Mittelpunkt der weltlichen Gemeinde. – Wie könnte für Sie diese Nachbarschaftspflege aussehen? 

Meinen Sie mit „Nachbarschaftspflege“ Beziehungen aufbauen? – Nun, die sind schon längst vor meiner Zeit geknüpft worden. Ich denke hier an die regelmäßigen Veranstaltungen unseres Frauenbundes dort vor Ort oder auch an die Proben unseres Kirchenchores. Nicht zu vergessen unsere dortigen gelegentlichen Neujahrsempfänge  oder auch Versammlungen des Krankenpflegevereins.  Das Dorfhaus ist also für die kirchliche Gemeinde hier vor Ort eine wichtige Einrichtung, die wir dankbar in Anspruch nehmen. 

Die Rolle der Frau wird in der katholischen Kirche durchaus unterschiedlich gesehen. – Wie sehen sie die Rolle der Frau als Teil Ihrer Gemeinde?

Die Frauen spielen in meiner Seelsorgeeinheit eine wichtige und absolut notwendige Rolle: Sie sind in die Erstkommunion- und Firmvorbereitung maßgeblich eingebunden, das Gleiche gilt für die Vorbereitung von Familiengottesdiensten und der Kinderkirche. Sie arbeiten in der Nachbarschaftshilfe und nicht zu vergessen ist der Einsatz der Ministrantinnen. Wohlgemerkt arbeiten alle ehrenamtlich und das, obwohl ihr Alltag sicher reichhaltig ausgefüllt ist mit Familie und Beruf bzw. Schule. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass sie eine wichtige soziale Rolle übernehmen und auch im Bereich der religiösen Bildung!

Wie sieht für Sie der ganz persönliche Ausgleich gegenüber Ihrer Aufgabe als Seelsorger aus?

Nun, ich spiele Volleyball beim FC-Röhlingen, fahre  Fahrrad in der Umgebung, ich höre gerne Musik aus meiner Heimat und ich lese sehr viel, bevorzugt Biografien.

Haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Das Gespräch führte Ursula Roschitsch, Mitglied der Pfarrgemeinde