Arbeit soll für das tägliche Leben reichen

Öffentliche Mittagspause im Haus der Katholischen Kirche zum Thema „Armut“

„Dass Menschen arbeiten gehen und es dennoch nicht für das tägliche Leben reicht, ist der eigentliche Skandal“. Das sagte Markus Mengemann, Leiter Soziale Hilfen der Caritas Ost-Württemberg, am Dienstag im Haus der Kirche. In der Reihe „Öffentliche Mittagspause“ ging es um das Thema „Armut“. Die beiden Dekanatsreferenten Tobias Kriegisch und Martin Keßler kamen dafür ins Gespräch mit Markus Mengemann und Gerhard Vietz, Leiter des Kocherladens Aalen.

Weil sich Kirche als Anwalt für die Armen sieht und für ein soziales Gleichgewicht einstehen muss, sei es wichtig auf ökumenischer Ebene gemeinsam zu agieren, meint Dekan Robert Kloker. Pfarrer Bernhard Richter findet sich genauso unter den Gästen, wie zahlreiche Mitarbeiter/innen aus dem Haus der Kirche und Interessierte. „Obwohl wir hervorragende Wirtschaftszahlen haben, klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander“, so Kloker weiter.

Gerhard Vietz vom Kocherladen kennt dieses Problem. „Besonders alte Menschen, Alleinerziehende und Flüchtlinge sind von Armut betroffen“, weiß er aus Erfahrung. Aber auch immer mehr Kinder wüchsen in Armut auf. Das mache ihn traurig. Auch Markus Mengemann findet klare Worte und schildert, dass die Schicksale von armen Kindern nahegehen. Vereinsamung spiele dabei eine große Rolle. „Oft kommen die Leute zweimal am Tag zur Tafel, nur um sozialen Kontakt und Gespräche zu haben“, sagt Mengemann. Die Ausgrenzung von Kindern in Armut zeige sich auch darin, dass sich die Eltern eben nicht den Beitrag zur Musikschule, den Kinobesuch oder den Besuch eines Freizeitparks zahlen können. „Wir wissen, dass gerade diese Eltern dann alles zusammenkratzen, um ihren Kindern das zu bieten, was andere längst haben“. Dann, so weiß Mengemann aus Erfahrung, sei die Schuldenfalle nicht mehr weit.

Was die Caritas als kirchliche Einrichtung mache, um der Armut in der Gesellschaft entgegenzusteuern, wollten die Dekanatsreferenten wissen. „Wir agieren auf drei Ebenen“, führt Mengemann aus. Die unmittelbare Hilfe, wenn etwa keine Unterkunft mehr vorhanden ist oder kein Geld, um Lebensmittel einzukaufen, dann die Prävention, dass solche Situationen erst gar nicht entstehen und als dritte Ebene die Ermöglichung von Teilhabe, wobei hier besonders die Kinder im Blickfeld seien.

„Schön wäre es schon, wenn es eigentlich keine Tafeln mehr geben müsste“, antwortet Gerhard Vietz auf die Frage, ob man denn durch die Tafelläden den Staat nicht aus der Pflicht nehme. Allein vorstellen könne er es sich nicht. „Der eine oder andere schafft vielleicht noch den Sprung heraus aus der Armut, aber es ist sehr schwer“. Markus Mengemann empfiehlt, politisch aber auch gesellschaftlich eine andere Haltung gegenüber der Armut zu entwickeln. „Da ist jeder einzelne gefragt“.

Info: Die nächste Öffentliche Mittagspause gibt es am 3. Juli 2018 zum Thema „Im Fußballfieber – selbstverständlich?!“. Neben einem kurzen Informationsteil von ca. 20 Minuten gibt es wieder einen kleinen Imbiss.